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Jupiter erwartet die Ankunft von Juno
Beeindruckende VLT-Bilder von Jupiter nur wenige Tage vor Ankunft der Juno-Raumsonde vorgestellt

Geschrieben am 27.06.2016 in Kategorie: Astronomie

Als Vorbereitung für die bevorstehende Ankunft der Raumsonde Juno der NASA haben Astronomen mit dem Very Large Telescope der ESO beeindruckende neue Infrarotaufnahmen von Jupiter gemacht. Die Bilder sind Teil einer Kampagne, um hochauflösende Karten vom Riesenplaneten zu erstellen. Diese Beobachtungen helfen nicht nur den Astronomen, den Gasriesen vor Junos Annäherung besser zu verstehen, sondern sie dienen auch als Grundlage für die Entscheidung, welche Aufgaben Juno in den kommenden Monaten erledigen soll.

Das Team von Leigh Fletcher von der University of Leicester in Großbritannien stellt beim National Astronomy Meeting der britischen Royal Astronomical Society in Nottingham neue Bilder von Jupiter vor. Aufgenommen wurden sie mit dem VISIR-Instrument am Very Large Telescope der ESO und sind Teil der gezielten Bemühungen, vor der Ankunft der Juno-Raumsonde der NASA im Juli die Atmosphäre des Jupiters besser zu verstehen.

Für die Kampagne kamen zahlreiche Teleskope in Hawaii und Chile zum Einsatz. Darüber hinaus lieferten auch Amateur-Astronomen aus der ganzen Welt Beiträge. Die Karten geben nicht nur eine Momentaufnahme wieder, sondern zeigen auch, wie sich Jupiters Atmosphäre in den Monaten vor Junos Ankunft bewegt und verändert.

Die Juno-Raumsonde wurde 2011 gestartet und hat seitdem fast 3000 Millionen Kilometer zurückgelegt. Während Beobachtungen von der Erde durch die Erdatmosphäre schwierig sind, kann die Raumsonde frei von solch störenden Einflüssen seltene Aufnahmen von Jupiter machen und damit wichtige Daten sammeln. Angesichts dessen erscheint es überraschend, dass die erdgebundene Kampagne als so wichtig erachtet wurde.

Fletcher erklärt, warum diese Forschungsarbeiten im Vorfeld von Junos Ankunft so wichtig waren: „Diese Karten werden uns bei der Entscheidung helfen, was Juno in den kommenden Monaten beobachten soll. Beobachtungen in verschiedenen Wellenlängenbereichen quer durch das infrarote Spektrum ermöglichen es uns, ein dreidimensionales Bild davon zu bekommen, wie Energie und Materie in der Atmosphäre nach oben transportiert werden.

Scharfe Bilder durch die sich ständig bewegende Erdatmosphäre aufzunehmen, stellt eine der größten Herausforderungen dar, mit der bodengebundene Teleskope konfrontiert sind. Der flüchtige Blick auf Jupiters eigene turbulente Atmosphäre, in der kühlere Gaswolken für eine ständige Durchmischung sorgen, war dank einer Technik möglich, die als Lucky Imaging bezeichnet wird. Dafür wurden mit VISIR viele aufeinanderfolgende Aufnahmen mit kurzer Belichtungszeit von Jupiter gemacht, so dass am Ende tausende Einzelaufnahmen entstanden sind. Die besten Bilder, auf denen die Auswirkungen der Atmosphäre am geringsten sind, werden ausgewählt und die restlichen verworfen. Diese ausgewählten Bilder werden abgeglichen und kombiniert, um ein außergewöhnliches finales Bild zu bekommen, wie es auch hier zu sehen ist.

Glenn Orton, Leiter der erdgebundenen Kampagne zur Unterstützung von Junos Mission, erläutert näher, warum die Vorbereitungsbeobachtungen von der Erde so wertvoll sind: „Durch die gemeinsamen Bestrebungen eines internationalen Teams aus Amateur- und Berufsastronomen in den letzten acht Monaten haben wir jetzt einen unglaublich umfangreichen Datensatz zur Verfügung. Zusammen mit den neuen Ergebnissen von Juno wird es insbesondere der VISIR-Datensatz Astronomen ermöglichen, die globalen thermischen Strukturen, die Wolkendecke und die Verteilung gasförmiger Komponenten auf Jupiter zu charakterisieren.

Zwar werden die neuen und mit Spannung erwarteten Ergebnisse erst durch die eigentliche Juno-Mission zustande kommen, der Weg dafür wurde jedoch mithilfe der bodengebundenen Astronomie bereits hier auf der Erde geebnet.

Quelle

ESO - Europäische Südsternwarte
Die "Europäische Organisation für astronomische Forschung in der südlichen Hemisphäre" oder auch kurz "Europäische Südsternwarte" ist ein Forschungsinstitut mit verschiedenen Observatorien.

Webseite: https://www.eso.org

Jupiter-Aufnahme mit dem VISIR-Instrument am VLT
Als Vorbereitung für die bevorstehende Ankunft der Juno-Raumsonde der NASA im Juli 2016, haben Astronomen mit dem VISIR-Instrument am Very Large Telescope der ESO beeindruckende neue infrarote Aufnahmen von Jupiter machen können. Die Bilder sind Teil einer Kampagne, um hochauflösende Karten vom Riesenplaneten zu erstellen. Diese Beobachtungen helfen den Astronomen, den Gasriesen vor Junos Annäherung besser zu verstehen. Diese Falschfarben-Aufnahme wurde erstellt, indem die besten Bilder, die aus vielen kurzen VISIR-Belichtungen bei einer Wellenlänge von 5 Mikrometern entstanden sind, ausgewählt und kombiniert wurden.
© ESO / L. Fletcher
Die zwei Gesichter des Jupiters
Falschfarben-Aufnahmen, die aus VLT-Beobachtungen im Februar und März 2016 erstellt wurden und zwei verschiedene Gesichter von Jupiter zeigen. Die blaueren Bereiche sind kalt und wolkenfrei, die orangenen Bereiche sind warm und bewölkt, farblosere helle Regionen sind warm und wolkenfrei und dunkle Regionen sind kalt und bewölkt (wie der Große Rote Fleck und die bekannten Ovale). Das Wellenmuster über dem Nord-Äquatorialband erscheint orange. Diese Aufnahme entstand aus VLT/VISIR-Infrarotbildern vom Februar 2016 (links) und März 2016 (rechts). Die orangenen Bilder wurden bei einer Wellenlänge von 10,7 Mikrometern aufgenommen und heben die unterschiedlichen Temperaturen und das Vorhandensein von Ammoniak hervor. Die blauen Bilder bei einer Wellenlänge von 8,6 Mikrometern heben Schwankungen in der Wolken-Opazität hervor.
© ESO / L.N. Fletcher
Vergleich von VISIR-Aufnahmen von Jupiter mit Aufnahmen im sichtbaren Licht
Diese Aufnahme vergleicht eine Lucky-Imaging-Aufnahme von VISIR (links) im infraroten Wellenlängenbereich mit einer sehr scharfen Amateur-Aufnahme im sichtbaren Licht aus etwa demselben Zeitraum (rechts).
© ESO / L.N. Fletcher / Damian Peach

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