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Weltraumteleskop Herschel sendet erstes Bild

Geschrieben am 22.06.2009 in Kategorie: Sonstige Missionen

Das europäische Weltraum-Teleskop Herschel hat seine erste Aufnahme eines Objekts im Weltall gemacht.

Wissenschaftler sprechen von einer vergleichsweise hohen Qualität des von Herschels PACS-Kamera aufgenommenen Bilds. Dieses zeigt das Gebiet der Galaxie M51. Obwohl noch nicht alle Einstellungen des Teleskops optimiert sind, übertrifft es bereits die Erwartungen. Herschel war am 14. Mai 2009 zusammen mit dem Planck-Teleskop, welches die kosmische Hintergrundstrahlung untersuchen soll, mit einer Ariane-Trägerrakete gestartet. Der deutsche Anteil an Herschel wurde maßgeblich durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) finanziert. Deutsche Wissenschaftler und Ingenieure sind wesentlich an dieser Mission der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) beteiligt. So wurde PACS unter Leitung des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik (MPE) entwickelt.

Die wissenschaftliche Arbeit kann beginnen

Schon während des bereits mehrere Wochen dauernden Fluges zu seinem etwa 1,5 Millionen Kilometer entfernten Zielorbit um den Lagrange-Punkt L2 wurden die Systeme und Instrumente des Weltraumteleskops auf ihre Funktion geprüft. Alle Geräte arbeiten einwandfrei und werden nach einem festgelegten Plan in Betrieb genommen. Der ersten Aufnahme war am 14. Juni 2009 die Öffnung des so genannten Cryocovers voraus gegangen, einer mit Sprengbolzen verschlossenen Schutzabdeckung des gekühlten Bereichs von Herschel. Der Deckel öffnete sich wie geplant und gab den drei Messinstrumenten die Sicht in den Weltraum frei.

Herschel ist das erste Weltraumobservatorium, das den kompletten Wellenlängenbereich des Fernen Infrarot bis zum Sub-Millimeter-Bereich (60 bis 670 Mikrometer) abdeckt. Da Herschel dieses Spektrum teilweise zum ersten Mal untersuchen wird, erwarten die Astronomen eine Fülle neuer Entdeckungen. Wissenschaftler werden die Bildung und Entwicklung von Galaxien seit Beginn des Universums untersuchen. Auch wird Herschel dazu beitragen, die Beschaffenheit von Kometen sowie Planetenatmosphären und -oberflächen in unserem Sonnensystem zu entschlüsseln.

Wichtige kosmologische Erkenntnisse erwartet

Für diese Aufgaben besitzt Herschel drei wissenschaftliche Instrumente: das abbildende Photometer/Integral Field Spektrometer PACS (Photodetector Array Camera and Spectrometer), das hochauflösende Heterodyn-Spektrometer HIFI (Heterodyne Instrument for the Far Infrared) und das abbildende Photometer/Fourier-Transform-Spektrometer SPIRE (Spectral and Photometric Imaging REceiver).

Der Hauptspiegel des Teleskops hat einen Durchmesser von dreieinhalb Metern. Herschel ist damit das bislang größte Weltraumteleskop, im Spiegel-Durchmesser etwa eineinhalbmal größer als Hubble. Der Spiegel besteht aus Gewichtsgründen aus dem keramischen Material Siliziumkarbid, das zum ersten Mal bei einem Spiegel dieser Größe eingesetzt wird.

Herschel soll rund drei Jahre in Betrieb bleiben. Die Lebenserwartung des Satelliten wird hauptsächlich durch das verfügbare Helium zur Instrumentenkühlung und den Treibstoff zur Lage- und Bahnregelung begrenzt. Da die Ariane 5 ECA-Trägerrakete Herschel und Planck sehr exakt auf ihre Bahnen gebracht hat, musste Herschel weniger Treibstoff für Bahnkorrekturen verbrauchen als geplant.

Mit dieser ersten Aufnahme hat Herschel seine Arbeit begonnen, von der sich die Wissenschaftler eine enorme Menge neuer und wichtiger Erkenntnisse zur Kosmologie, der Wissenschaft vom Ursprung, der Entstehung und der Struktur des Universums, versprechen, die auch unser Weltbild als Ganzes beeinflussen können.

Quelle

DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V.
Das DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V.) ist die deutsche Raumfahrtagentur. Es wurde 1969 durch den Zusammenschluss mehrerer Einrichtungen gegründet.

Webseite: http://www.dlr.de

Herschels erstes Bild: Galaxie M51
Das erste Bild des europäischen Weltraumteleskops Herschel zeigt das Gebiet der Galaxie M51. Sie liegt circa 31 Millionen Lichtjahre entfernt.
© ESA / PACS Consortium
Galaxie M51 aufgenommen von Spitzer (links) und Herschel (rechts)
Obwohl die Instrumente von Herschel noch nicht vollständig kalibriert sind und sich der Satellit derzeit noch auf dem Weg zu seinem Ziel, dem Lagrangepunkt L2, befindet, lässt das erste Infrarotbild einen großen qualitativen Fortschritt erwarten. Dies zeigt sich im Vergleich der Aufnahmen derselben Region (Galaxie M51) durch das Spitzer-Weltraumteleskop der US-Weltraumbehörde NASA (links) und Herschel (rechts).
© Links: NASA / JPL-Caltech / SINGS, Rechts: ESA / PACS Consortium
Herschel-Aufnahme von M51 bei drei Wellenlängen
Herschel nahm die so genannte Whirpool-Galaxie M51 bei drei verschiedenen Wellenlängen auf: 160, 100 und 70 Mikrometer. Die Aufnahmen stammen von Herschels PACS-Kamera (Photoconductor Array Camera and Spectrometer). Die Bilder zeigen, dass kürzere Wellenlängen zu schärferen Bildern führen.
© ESA / PACS Consortium