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Andreas Mogensen nach kurzer, aber intensiver Mission auf der ISS wieder gelandet

Geschrieben am 12.09.2015 in Kategorie: Missionen der bemannten Raumfahrt

Der ESA-Astronaut Andreas Mogensen, der Sojus-Kommandant Gennadij Padalka und der kasachische Kosmonaut Aidyn Aimbetow sind heute Nacht um 2.51 Uhr MESZ in der kasachischen Steppe wieder gelandet und haben damit ihre Missionen zur Internationalen Raumstation ISS zum Abschluss gebracht.

Mit Mogensen, der am 2. September zu seiner 10tägigen Mission Iriss aufgebrochen war, ist zum ersten Mal ein Däne in den Weltraum gestartet. Zum Rückflug dockte das Astronautentrio am 11. September um 23.29 Uhr MESZ von der Raumstation ab, um damit eine bereits länger im Weltraumeinsatz befindliche Sojus-Kapsel wieder zur Erde zu bringen, während die für den Hinflug benutzte neuere Kapsel für die auf der ISS verbleibende Mannschaft an der Raumstation angedockt bleibt.

Die ESA nutzte diese Mission zur Erprobung neuer Technologien und Durchführung einer Reihe wissenschaftlicher Experimente.

In seinem ersten Experiment filterte Mogensen Abwasser der Raumstation durch eine in Dänemark entwickelte biomimetische, d. h. der Natur nachempfundene Membran, um mit Hilfe von Nanotechnologie, die keiner zusätzlichen Energie bedarf, sauberes Trinkwasser herzustellen. Die Ergebnisse werden nun untersucht, um zu sehen, ob diese Technologie in Zukunft im Weltraum eingesetzt werden kann.

Darüber hinaus bediente Mogensen während seines kurzen Aufenthalts im All zwei auf der Erde befindliche Rover. Besondere Feinfühligkeit wurde ihm für das millimetergenaue Einführen eines Stifts in ein Loch abverlangt. So viel Präzision erfordert die Übertragung von Fingerspitzengefühl, wofür die ESA Technologien entwickelt hat, um die Feinsteuerung von Bewegungen auch über große Entfernungen zu ermöglichen. Die Gegenstände, die der von Mogensen gesteuerte Roboter im technischen Zentrum der ESA in den Niederlanden berührte, konnte der Astronaut in seiner Umlaufbahn 400 km über der Erde und trotz der mehrere Tausend Kilometer betragenden Entfernung von dem Rover also regelrecht fühlen. Diese Technologie ist auf eine Übertragung mit langsamen und wenig zuverlässigen Netzwerken ausgelegt, so dass sie sich auch zur Steuerung von Robotern auf der Erde in Gebieten mit nur begrenzter Infrastruktur eignet, wie etwa nach einem Erdbeben.

Mogensen testete außerdem zwei Tage lang den "SkinSuit", einen besonders eng anliegenden Anzug, um zu prüfen, ob dieser die durch die Schwerelosigkeit bedingte Streckung der Wirbelsäule verhindert, und entnahm mikrobiologische Proben, um herauszufinden, ob er auch sauber genug bleibt, um ihn über längere Zeiträume hin anziehen zu können.

Austausch der Sojus-Kapseln

Mogensen und Aimbetow waren mit der Sojus-Kapsel TMA-18M mit dem Kommandanten Sergej Wolkow zur ISS geflogen, kehrten jedoch mit der TMA-16M unter Kommandant Gennadij Padalka wieder zur Erde zurück. Padalka hat damit eine sechsmonatige Weltraummission beendet. Die für den Hinflug benutzte neuere Kapsel wurde für den NASA-Astronauten Scott Kelly und den Kosmonauten Michail Kornijenko zurückgelassen, die zur Erforschung der Anpassung des menschlichen Körpers an Langzeitmissionen fast ein Jahr im All bleiben werden.

Nach der Landung

Vollständig abgeschlossen ist die Mission Iriss für Mogensen allerdings noch nicht: Nach einem Zwischenstopp in Moskau wird er zur Missionsauswertung ins Europäische Astronautenzentrum nach Köln fliegen, und Forscher werden ihn untersuchen, um ihre Experimente zu vervollständigen.

Die rund um die Uhr tätigen Teams von der Bodenkontrolle im Columbus-Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen und die Nutzerunterstützungs- und Betriebszentren (USOC) in ganz Europa werden auch weiterhin den Betrieb des ESA-Weltraumlabors Columbus überwachen und die sechsköpfige internationale ISS-Mannschaft tatkräftig unterstützen.

In weniger als drei Monaten wird sich bereits der nächste ESA-Astronaut, Timothy Peake, auf seine Reise in der Weltraum machen. Der Start für seine fünfmonatige Mission Principia ist auf den 15. Dezember angesetzt.

Quelle

DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V.
Das DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V.) ist die deutsche Raumfahrtagentur. Es wurde 1969 durch den Zusammenschluss mehrerer Einrichtungen gegründet.

Webseite: http://www.dlr.de

Forschungsanlage :envihab
Die Forschungsanlage :envihab des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) ermöglicht Großstudien, bei denen unter anderem die Isolation während Langzeitmissionen simuliert werden kann. Zu der Anlage gehören auch eine Zentrifuge, ein MRT sowie ein Druckbereich, in dem Höhen von 5500 Meter simuliert werden können.
© DLR (CC-BY 3.0)