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Churyumov-Gerasimenko: Rätsel um Form des "Quietsche-Enten-Kometen" gelöst

Geschrieben am 29.09.2015, 21:23:17 in Kategorie: Mission "Rosetta" mit Lander "Philae"

Von Gummientengestalt oder gar Quietsche-Entchen war in den Medien die Rede, als die überraschende Form von Komet 67 P/Churyumov-Gerasimenko im Juli 2014 bekannt wurde. Auch die Wissenschaftler waren erstaunt über die außergewöhnliche Gestalt des Himmelskörpers, die die Raumsonde Rosetta offenbarte.

"Sehr wahrscheinlich sind zwei Kometen im noch jungen Sonnensystem zusammengestoßen und bildeten den heute sichtbaren Doppelkörper", sagt Dr. Ekkehard Kührt, der die wissenschaftlichen Beteiligungen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) an der Rosetta-Mission leitet. "Um die gemessene geringe Dichte und die gut erhaltenen Schichtstrukturen beider Kometenteile zu erklären, muss der Zusammenprall bei kleinen Geschwindigkeiten sehr sanft erfolgt sein. Diese Erkenntnis gibt wichtige Hinweise auf den physikalischen Zustand des frühen Sonnensystems vor 4,5 Milliarden Jahren", berichtet der Kometenforscher als Mitautor einer aktuellen Veröffentlichung im Fachjournal Nature.

Ursprünglich hatten die Wissenschaftler zwei Theorien im Visier: Sie vermuteten entweder eine Kollision zweier Körper oder eine besonders intensive Erosion an der Stelle, die sich schließlich zum Hals entwickelte. Die Analyse hochaufgelöster Bilder des Kometen von der OSIRIS-Kamera auf Rosetta, die zwischen dem 6. August 2014 und 17. März 2015 entstanden, brachte jetzt die Auflösung des Rätsels.

Ein Komet, zwei Körper

Zunächst hatten die Wissenschaftler auf den Bildern über hundert terrassenförmige Strukturen auf der Kometenoberfläche und parallel verlaufende Schichten ausgemacht, die deutlich an exponierten Klippen, Wänden und Vertiefungen zu sehen waren. Mithilfe eines 3 D-Kometenmodells konnten sie anschließend schlussfolgern, in welche Richtung und in welcher Tiefe die einzelnen Schichten verlaufen. Schnell wurde klar, dass die schichtartigen Strukturen auf beiden Kometenhälften zu finden sind, sich dort aber im Detail voneinander unterscheiden. Das führte zu der Einsicht, dass sich die Strukturen nicht auf einem Körper gemeinsam entwickelt haben. Schon frühere Missionen zu den Kometen Tempel-1 und Wild-2 hatten Hinweise auf den schichtartigen Aufbau der Himmelskörper - ähnlich einer Zwiebel - geliefert.

Urmaterie des Sonnensystems

"Kometen gelten als Zeitzeugen der Bildung unseres Planetensystems, da sie sich durch ihre Entstehung in dessen kalten äußeren Regionen und wegen ihrer geringen Größe gut erhalten haben", erläutert Dr. Ekkehard Kührt vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin. "Unklar war, inwieweit gegenseitige Stöße zur Alterung beigetragen haben. Die Daten der Rosetta-Mission unterstreichen, dass Kometen auch in dieser Hinsicht nur moderat verändert wurden und tatsächlich sehr ursprüngliches Material darstellen." Zudem deutet der ähnliche Aufbau beider Teilkörper darauf hin, dass diese einst in ähnlicher Weise entstanden sind.

Seit August entfernt sich Rosetta gemeinsam mit dem Kometen wieder von der Sonne und wird mit seinen elf Experimenten noch ein weiteres Jahr - bis Ende September 2016 - wissenschaftliche Daten sammeln.

Die Mission

Rosetta ist eine Mission der ESA mit Beiträgen von ihren Mitgliedsstaaten und der NASA. Rosettas Lander Philae wird von einem Konsortium unter der Leitung von DLR, MPS, CNES und ASI beigesteuert.

Die Kamera OSIRIS wurde von einem Konsortium gebaut unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (Deutschland) in Zusammenarbeit mit CISAS, Universität Padova (Italien), dem Laboratoire d'Astrophysique de Marseille (Frankreich), dem Instituto de Astrofísica de Andalucia, CSIC (Spanien), ESAs Scientific Support Office, dem Instituto Nacional de Técnica Aeroespacial (Spanien), der Universidad Politéchnica de Madrid (Spanien), des Department of Physics and Astronomy of Uppsala University (Schweden) und dem Institute of Computer and Network Engineering der TU Braunschweig (Deutschland). OSIRIS wurde finanziell gefördert durch die nationalen Agenturen von Deutschland (DLR), Frankreich (CNES), Italien (ASI), Spanien (MEC) und Schweden (SNSB) sowie dem ESA Technical Directorate.

Quelle

DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V.
Das DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V.) ist die deutsche Raumfahrtagentur. Es wurde 1969 durch den Zusammenschluss mehrerer Einrichtungen gegründet.

Webseite: http://www.dlr.de

Weitwinkelaufnahme des Kometen
Diese Weitwinkelaufnahme des Kometen 67 P/Churyumov-Gerasimenko hat das OSIRIS-Kamerasystem an Bord der Raumsonde Rosetta am 12. September 2014 gemacht.
© ESA / Rosetta / MPS for OSIRIS Team MPS / UPD / LAM / IAA / SSO / INTA / UPM / DASP / IDA
Schichtartige Strukturen auf Churyumov-Gerasimenko
Das Bild auf der linken Seite zeigt die Seth-Region auf dem größeren der beiden Teile von Churyumov-Gerasimenko. Auf der rechten Seite sind auf dem gleichen Bild Terrassenstrukturen grün eingefärbt sowie freiliegende Schichten mit rot gestrichelten Linien markiert. In Richtung des Kometenhalses werden die Stufen zwischen den einzelnen Terrassen steiler. Der Buchstabe A im Bild markiert den ursprünglichen Landeplatzkandidaten A für den Lander Philae.
© ESA / Rosetta / MPS for OSIRIS Team MPS / UPD / LAM / IAA / SSO / INTA / UPM / DASP / IDA; M. Massironi et al (2015)
Detail der Seth-Region
Dieses OSIRIS-Bild wurde von Rosetta am 22. September 2014 aus einer Distanz von 28 Kilometern aufgenommen. Im Vordergrund ist eine weitläufige terrassenförmige Struktur zu erkennen mit einem tiefen Trichter, der einen Blick auf den inneren schichtartigen Aufbau des Kometen freigibt.
© ESA / Rosetta / MPS for OSIRIS Team MPS / UPD / LAM / IAA / SSO / INTA / UPM / DASP / IDA

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