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Suchfernrohr-Reparatur

Geschrieben am 13.12.2016 in Kategorie: Amateurastronomie

Ein defektes Fadenkreuz im Suchfernrohr und zwei Reparaturversuche

Kürzlich war eine Kalibrierung der Sucher fällig. Zum einen hat mein Teleskop ein 8x50mm-Suchfernrohr mit Fadenkreuz, zusätzlich habe ich einen Telrad installiert.

Den Telrad hatte ich eine ganze Weile nicht im Einsatz und mit dem optischen Sucher hatte ich beim letzten Merkurtransit am 9. Mai 2016 etwas Pech: Ich hatte zwar das Teleskop mit dem Objektivsonnenfilter versehen, aber vergessen, den Sucher abzudecken. Als dann das Teleskop auf die Sonne ausgerichtet war, schmolz im Sucher das Fadenkreuz… sehr ärgerlich!

Beim ATT in Essen später im Mai fand ich dann in einer Restekiste einen sehr preiswerten Sucher, der mechanisch genau auf mein Teleskop passt. Am 5. Dezember 2016 habe ich dann den Ersatzsucher endlich am Teleskop montiert und parallel zum Tubus ausgerichtet. Auch den Telrad habe ich frisch eingestellt und alles passt wieder wunderbar.

Nur schade, dass der Ersatzsucher keine Fokussierung hat. Beim Originalsucher meines Teleskops kann ich die Schärfe anpassen. Das vermisse ich als ohne Brille durchs Teleskop Schauender schon etwas. Bevor ich also den defekten Sucher endgültig aufgeben würde, wollte ich mir das Problem nochmal genauer ansehen.

Erstmals zerlegte ich also das Suchfernrohr mit dem defekten Fadenkreuz und stellte dabei auch fest, dass die Tubus-Größen und die Gewinde von beiden Suchern absolut identisch sind. Ich konnte Teile abschrauben und im jeweils anderen Sucher einsetzen. Die Darstellung passte perfekt. Diese Erkenntnis war schon nicht übel: So könnte ich zumindest dem Ersatzsucher das Aussehen des Originalsuchers verpassen, falls eine Reparatur nicht klappen sollte.

Zurück zum defekten Fadenkreuz: Das war in dem fokussierbaren Suchfernrohr einzeln abnehmbar. Ich schaute mir das genauer an und überlegte, ob sich das nicht neu bestücken lassen würde. Dazu würde ich aber einen sehr dünnen Draht oder Faden benötigen.

Ein passender Draht war schnell gefunden. Im Abschirmgeschlecht einer Audioleitung fand ich Draht mit passender Dicke. Allerdings ist er so dünn, dass er schon bei sehr geringem Zug reißt. Im Internet fand ich dann noch einen Hinweis auf Angelschnur. Das klingt nicht schlecht, denn die hält etwas aus und die gibt's auch schön dünn.

Im Kollegium fragte ich herum und fand einen Angler, der mir eine Rolle mit einem Rest schenkte, den er nicht mehr brauchte. Ich vermutete meinen Bedarf inklusive eventueller Fehlversuche bei maximal 20 Zentimetern. Mein Kollege schätzte den Rest auf der Rolle auf 20 Meter. Da würde ich mir viele Versuche leisten können.

Zunächst befreite ich den Ring von dem alten Fadenkreuz. Die Entfernung des alten Klebers war allerdings mühsam: Mit einem Cuttermesser (seltsames Wort) kratzte ich Krümel für Krümel von dem alten Zeug herunter und legte vier Kerben frei, in die der alte Faden eingeklebt war.

Ich schnitt zwei Stückchen ab und klebte sie nacheinander mit Sekundenkleber in die Kerben. Dabei ließ ich erst eine Seite trocknen, bevor ich dann mit leichtem Zug den Faden in die gegenüberliegende Kerbe platzierte. Zu meiner Überraschung klappte das auf Anhieb. Danach schwärzte ich den etwas durchsichtigen Faden mit schwarzer Farbe. Weil Sekundenkleber ausgast, habe ich das alles dann eine ganze Weile trocknen lassen.

Danach schnitt ich die überstehenden Fäden ab und baute das Fadenkreuz ins Suchfernrohr. Das Ergebnis ist gar nicht übel. Allerdings ist der Faden doch noch etwas zu dick. Zum Einsatz kam nun ein Durchmesser von 0,152 Millimetern. Ich habe gesehen, dass man das mit 0,08 Millimeter nochmal fast halbieren kann.

Aber verwendbar ist der Sucher auf jeden Fall wieder und ich werde bestimmt noch einen Versuch riskieren.

Nachtrag 17.12.2016

Bevor ich das Sucherfernrohr testen konnte, fand ich preiswerte Anglerschnur mit 0,08 Millimetern Durchmesser und tauschte das Fadenkreuz heute nochmal aus. Das ging genauso problemlos wie beim ersten Versuch und machte direkt einen deutlich sichtbaren Unterschied.

Beobachtungen

An einem der folgenden Nächte richtete ich den Sucher auf den Tubus aus. Seitdem ist er ganz regulär im Einsatz und leistet gute Dienste. Solange ich nicht das nötige Ersatzteil in irgendeiner Restekiste auf einer Astro-Börse finde, werde ich mit dem reparierten Sucher prima zurecht kommen.

Quelle

Auf Distanz
Podcast von Lars Naber, der sich mit Astronomie und Raumfahrt beschäftigt.

Webseite: http://aufdistanz.de
Webseite: http://extras.aufdistanz.de

Geschmolzenes Fadenkreuz
Geschmolzenes Fadenkreuz im Suchfernrohr
© Lars Naber, Auf Distanz
Fadenkreuz mit Größenvergleich
Nach dem Zerlegen war zu sehen: Die Sache ist ganz einfach konstruiert.
© Lars Naber, Auf Distanz
Dünne Litzen im Drahtgeflecht
Von der Dicke her passten einzelne Litzen nicht schlecht, allerdings rissen sie schnell.
© Lars Naber, Auf Distanz
Eingeklebtes neues Fadenkreuz
Das neue Fadenkreuz des ersten Versuchs aus Angelschnur, frisch eingeklebt und geschwärzt.
© Lars Naber, Auf Distanz
Das Fadenkreuz des ersten Versuchs im Gegenlicht
Das neue Fadenkreuz des ersten Versuchs im Gegenlicht sieht nicht schlecht aus.
© Lars Naber, Auf Distanz
Neues Fadenkreuz im Sucher
Das neue Fadenkreuz des ersten Versuchs im Sucher macht keinen schlechten Eindruck. Allerdings ist der Faden schon noch recht dick.
© Lars Naber, Auf Distanz
Das neue Fadenkreuz des zweiten Versuchs im Sucher
Das fertige Fadenkreuz des zweiten Versuchs mit der dünneren Angelschnur sieht prima aus.
© Lars Naber, Auf Distanz

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